Tagebuch "Nachhilfestunden in Heimweh", 1972

Tagebuch „Nachhilfestunden in Heimweh“, 1972, 2

Tagebuch "Nachhilfestunden in Heimweh", 1972

Tagebuch „Nachhilfestunden in Heimweh“, 7.-8. Kapitel, begonnen in Tokio, 9.2.1972

Ich gehe eigentlich nur hinauf auf mein Zimmer um Bewegung zu machen. Immer action vortäuschend am meisten mir selbst. Ich ordne ein paar Papiere, räume angebrochenene Tabakschachteln aus den Taschen in den Koffer. Ich bin schon schon jetzt, am Anfang meiner Reise, nicht sicher, ob ich ihn zukriege

Ich habe einfach keine Übung im Kofferpacken

14 Jahre lang hat das Simone gemacht. So erstklassig, dass am Ende jeder Reise immer noch Platz für Souvenirs, Stoffe, & neue Bücher war. Jetzt denke ich, dass sie wohl immer ein wenig ihr Heim miteinpackte: Eine Bäuerin, die ich zur Zigeunerin machen wollte[.] Dabei bin ich kein Zigeuner. Entwurzelt sein bedeutet noch lange nicht Gitano sein. Rastlosigkeit ist nur ein Ausdruck für die Angewohnheit, den Dingen aus dem Weg zu gehen

Eine Ankunft verspricht , eine Abreise verspricht “Mal sehen, was passiert“, denke ich und mache mich auf den Weg in die Stadt. “Nico Hotel“, sage ich dem Taxi-chauffeur. Ich hatte mir gestern die Adresse gemerkt als unser Betreuer uns zur Ginza führte, um Austern […]

Tagebuch "Nachhilfestunden in Heimweh", 1972

Tagebuch „Nachhilfestunden in Heimweh“, 7.-8. Kapitel, begonnen in Tokio, 9.2.1972

[…] auf japanisch zu essen. Wohl 1 ½ Stden [= Stunden] trotte ich durch die Straßen der Ginza.

Es gibt soviele Geschäfte mit Kameras, Tonbandgeräten Ferngläsern & transportablen Farbfernsehapparaten, dass man denken muss, die Japaner halten sich selbst für Touristen

Plötzlich quellen aus allen Bürohäusern Gruppen dunkelgekleideter – correcte Krawatten um weisse Hemden hängend- junger Männer: “office-clerks“, würde man in London sagen. Die stempelbeinigen, flachbrüstigen, grossköpfigen Secretärinnen & Ladenmädchen überfluten die Strasse zehn Minuten später, als ich mich in der Nähe des Sony-buildings umschaue. Meist in Mini-röcken. Ungeniessbar. Ein winzig kleiner älterer Herr hat mich schon zweimal überholt und ist dann stehen geblieben um mich zu betrachten. Jetzt geht er neben mir. Oder einen halben Schritt vor mir her

“Movie-star. Seen many of your pictures“. –“Thank you“, sage ich und setze mein freundlichstes Lächeln auf, das welches mir so schnell weh tut. “I am big fan“

“You are very kind”

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