CURD JÜRGENS • DER NACHLASS

Curd Jürgens – Der Nachlass

Das Deutsche Filminstitut / Deutsche Filmmuseum präsentiert den Nachlass Curd Jürgens als virtuelle Ausstellung

Curd Jürgens: Theater-, Film- und Fernsehschauspieler, Regisseur, Autor, Sänger – Lebemann und Weltstar. Er war nicht wie Marlene Dietrich, die, als wäre es möglich, die körperliche Vergänglichkeit zu verhindern und mit den Dingen zu überleben, akribisch alles von und über sich aufbewahrte. Im Gegensatz zu Romy Schneider besitzt Curd Jürgens keine aktive Fangemeinde, die jedwedes Erinnerungsstück sammelt und in wohlgehüteten Beständen konserviert. Der erhaltene Nachlass, der hier in einer virtuellen Ausstellung präsentiert wird, ist ein Fundus, dessen Zusammensetzung eher zufällig ist, und gerade das macht ihn so interessant. Die Fotos, Briefe und Skripte dienten Curd Jürgens der eigenen Erinnerung an private und berufliche Ereignisse. Auch wenn sich mehrere tausend Zeitungsausschnitte darin befinden, zielte die Sammlung nicht auf Vollständigkeit, dokumentiert sie nicht lückenlos sein Leben und seine Karriere. Was sie belegt sind die Dinge, die Curd Jürgens selbst für wichtig erachtete – seine Theaterarbeit, die eigenen realisierten und nicht realisierten Projekte und die Aufzeichnungen zu seiner Position als Künstler.

Einführung in die virtuelle Ausstellung

  • THE ENEMY BELOW
    (1957, R: Dick Powell)

  • DIE RATTEN
    (1955, R: Robert Siodmak)

  • ET DIEU... CRÉA LA FEMME
    (1956; R: Roger Vardim)

  • DES TEUFELS GENERAL
    (1955; R: Helmut Käutner)

  • THE SPY WHO LOVED ME
    (1977; R: Lewis Gilbert)

  • DIE SCHACHNOVELLE
    (1960; R: Gerd Oswald)

  • DER SCHINDERHANNES
    (1958, R: Helmut Käutner)

Welches Bild hat sich von Curd Jürgens (*13. Dezember 1915 in München, †18. Juni 1982 in Wien), der im Dezember 2015 100 Jahre alt geworden wäre, erhalten? Sicher gehört der von Brigitte Bardot geprägte, liebenswerte Ausdruck des armoire normande („normannischer Schrank“) dazu, der bis heute fälschlicherweise als „normannischer Kleiderschrank“ übersetzt und so auch immer wieder zitiert wird. Es ist die sonore, rauchige Whiskystimme und der Sprechgesang des Liedes „60 Jahre, und kein bißchen weise“. Es sind der Schauspieler, respektive die Rollen, die er verkörperte, an die wir uns erinnern. Im Kino waren das sein Harras (DES TEUFELS GENERAL, 1955, R: Helmut Käutner), sein Bruno Mechelke (DIE RATTEN,1955, R: Robert Siodmak), auch der Schinderhannes (DER SCHINDERHANNES, 1958, R: Helmut Käutner) oder sein Werner von Basil (DIE SCHACHNOVELLE, 1960, R: Gerd Oswald), vielleicht sein Mackie Messer (DIE DREIGROSCHENOPER, 1963, R: Wolfgang Staudte), viele seiner Offiziersrollen und nicht zuletzt: sein Stromberg (THE SPY WHO LOVED ME, 1977, R: Lewis Gilbert). Auf der Bühne sein „Richter in eigener Sache“, sein „Clarence Darrow“ und der „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen.

Filmausschnitte

Und es ist der Star, der Weltstar, der es wie kaum ein anderer verstand, Privates und Berufliches zu verbinden und es gleichzeitig zu trennen vermochte. Über Jahrzehnte fokussierte sich das Interesse von Presse und Publikum auf sein Privatleben, das er mit Leidenschaft im Rampenlicht der Öffentlichkeit darbot. Sein Leitspruch „Es ist wichtiger, den Jahren mehr Leben zu geben, als dem Leben mehr Jahre“ erweckt bis heute Neugierde, ja Bewunderung. Zumindest über die Presseberichte und die dort veröffentlichten Fotos konnte die interessierte Leser(innen)schaft an diesem Leben teilhaben. Curd Jürgens befriedigte den Bedarf noch mit Hintergrundinformationen und intimen Details. In seinem autobiografischen Roman „… und kein bißchen weise“ finden sich nicht nur Anekdoten aus seinem Leben oder von Dreharbeiten; er spricht unverhüllt über die manchmal schwierigen Beziehungen zu seinen Freundinnen und Ehefrauen. Unter der Prämisse „Es ist mir egal, was die Presse über mich schreibt, Hauptsache, die schreiben meinen Namen richtig“ öffnete er bereitwillig seine Welt für Home Stories – Berichte aus dem Leben des Stars: ein repräsentativer Lebensstil, Wohnsitze an sonnigen Orten, fünf Ehen und zahlreiche Liebschaften, kleine Skandale, ein internationaler Jetset-Freundeskreis, einschlägige Automarken – Schlaglichter auf den öffentlichen Jürgens, einen Profi in Sachen (Eigen-)PR.

Doch gelang es ihm auch, Persönliches zu verbergen und das Scheinwerferlicht auf Nebensächliches zu lenken. Für diese oft reproduzierten Bilder, die eigenen wie die Übermittelten, finden sich im Nachlass reichlich Belege. Bekanntes bestätigt sich, weniger Bekanntes wird erschlossen, und bislang Unbekanntes stellt sich der Analyse. Die virtuelle Ausstellung bietet die Möglichkeit, den Menschen und Medienprofi Curd Jürgens digital und interaktiv, wieder und neu zu entdecken, den, den wir nicht aus den Berichten der „bunten Blätter“ kennen und den, der durch seine Theater-, Film- und Fernsehauftritte bekannt ist.

Die Präsentation im virtuellen Raum bietet die einzigartige Möglichkeit, Objekte aus dem Nachlass Curd Jürgens‘ zu jeder Zeit, an jedem Ort zu erleben und auf neue, interaktive und intensive Weise miteinander in Beziehung zu setzen. Filmausschnitte lassen sich mit Dokumenten zu ihrer Entstehung abgleichen, Werkfotos illustrieren dazu die Dreharbeiten. Bislang unveröffentlichte persönliche Tagebucheinträge und andere persönliche Schriften von Curd Jürgens’, in denen er sich kritisch mit der Arbeit eines Schauspielers auseinandersetzt, sind als Digitalisate, als Transkripte und von einem Schauspieler (Frank Muth) eingesprochen verfügbar. Filmausschnitte lassen sich mit Dokumenten zu ihrer Entstehung abgleichen, Werkfotos illustrieren dazu die Dreharbeiten. So entsteht ein multimedialer Parcours durch das professionelle und private Leben, der Klischees bestärken und brechen kann. Er zeichnet nicht nur das Bild und Werk einer einzelnen Person nach, sondern macht Zeitgeschichte erlebbar. Von persönlichen (Nach-)Kriegserfahrungen bis hin zu Begegnungen mit Politikern, Künstlern und dem internationalen Jetset des 20. Jahrhunderts.